Schlösser und Burgen in Baden-Württemberg
  Burg Ehrenberg
 

Die bemerkenswerte Anlage der Burg Ehrenberg steht noch heute trutzig über dem Neckar zwischen Mosbach und Heilbronn (zu dessen gleichnamigen Landkreis sie auch zählt). Unter den zahlreichen ergreifenden Burg-Prospekten des Neckartals von Bad Wimpfen bis Heidelberg gesellt sich manch gleichwertige Anlage, wirklich übertreffen können nur das weltberühmte Heidelberger Schloss, die einst so bedeutende Kaiserpfalz von Bad Wimpfen und die ruhmvolle Kurpfalz-Festung Dilsberg. Am nächsten ist die alte Kaiserpfalz, von welcher die Ehrenberg nur wenige Kilometer stromabwärts entfernt.
Der ungemein wuchtige Bergfried ist gleichsam das Ausrufezeichen hinter der langen, bastionartig spitz nach vorne tretenden Vorburg.
Ihren Ausgang nahm die Veste noch Ende des 12. Jahrhunderts, also als romanische Anlage. Die ruinösen Wohnbauten der Hauptburg entstammen dem 15. Jahrhundert (der Gotik), die Vorburg dem 16. Und 17. Jahrhundert (Renaissance). Reizvoll changiert das Gesamtbild zwischen Ruine und vollständigem Erhalt: dem Effekt bizarrer mittelalterlicher Mauerreste steht der Feinsinn der Renaissance-Detail entgegen.


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Die linke Abbildung zeigt das Monument schlechthin der Ehrenberg, den überaus mächtigen Bergfried. Das wuchtige, von oben „angefressene“ Gebäu ragt sage und schreibe 50 Meter in die Höhe, ist von entsprechender Fernwirkung und ein Wahrzeichen dieses Neckarabschnitts. Als Element der Hauptburg reicht seine Vergangenheit bis ins späte 12. Jahrhundert zurück. Zusammen mit der Schildmauer der oberen Burg (aus dieser Perspektive nicht sichtbar hinter dem Bergfried) ist er damit das älteste Bauteil der Ehrenberg. Während die Vorburg zum Neckar hin sicherte, war es fortifikatorische Aufgabe von Bergfried und Schildmauer zur weiter ansteigenden Bergseite, der im Verteidigungsfall anfälligsten Burgseite durch schiere Höhe und Dicke der Mauern zu sichern.
Rechts oben blicken wir in den Hofraum zwischen Hauptburg (rechts) und Vorburg (links). Auffällig der Treppengiebelbau, dessen Dach ursprünglich sicher höher lag. Das durch die Staffelgiebel monumentale Gebäude stammt noch aus dem 16. Jahrhundert, dem der gotische Treppengiebel bestens vertraut war.
Darunter die Außenseite der Vorburg, welche im Gegensatz zur ruinösen Hauptburg gut erhalten und auch noch bewohnt ist (weshalb nur die Burgaußenseite, keineswegs der private Burghof besichtigt werden darf). Die Bauten der Vorburg stammen überwiegend aus dem späten 16., frühen 17. Jahrhundert. Im dieser Zeit gemäßen Stil der Renaissance gefallen zwei kleine Erker.

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Sommers von dichtem Baumbewuchs umzingelt, behauptet die Ehrenberg dennoch ihr markantes Auftreten: die gesamte Vorburg und natürlich der mächtige Bergfried treten aus dem „belagernden“ Grün. Auffällig darüber hinaus der schlanke Torturm (ganz rechts), die hohen Treppengiebel, das Eckrondell an der Spitze der Vorburg, sowie ganz links der Turm der Burgkapelle mit hohem, spitzem Zeltdach.
Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahre 1193. Als Erbauer gelten die Herren von Ehrenberg, deren Rittergeschlecht im 17. Jahrhundert erlosch.


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Als eine Besonderheit unter den zahlreichen Burgen genannten Neckarabschnitts besitzt die Ehrenberg einen Torturm (nur das Heidelberger Schloss, die Wimpfener Pfalz und die Dilsberger Festung verfügen gleichfalls darüber). Schlank und weit ragt er in die Höhe, indessen das Dach abging (vermutlich ein Zeltdach). Per gotischem Spitzbogen gab der Torturm den Weg in die Hauptburg frei. Auf dem Foto links ragt der dicht eingegrünte Turm über die efeubewachsene Ringmauer hinaus: Burgenromantik pur, der unaufhörliche „Kampf“ zwischen Menschen- und Naturwerk.
Rechts hingegen die Vorburg mit Eckrondell, Rundbogenfries und Erker. Nicht untypisch für den Renaissance-Burgenbau, dass die Wehrhaftigkeit durch Fenster und Erker herabgesetzt ward (wenngleich manch‘ Fenster auch den späteren Jahrhunderten geschuldet). Wohnlichkeit und Kunstwillen der Renaissance ließen den alten, mittelalterlichen Trutz nicht ohne Leichtsinn zurücktreten.


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Links das markante Vorburg-Bauwerk mit den spätmittelalterlichen Treppengiebeln, und davor - gleichsam als „Einfall“ der neuen Zeit - die Teerfläche der an der Vorburg entlang leitenden Straße.
Auch das Eckrondell (mittleres Bild) gehört zu den auffälligsten Partien der Vorburg. Wo deren zwei lange Flügel im stumpfen Winkel aufeinander stoßen, ward der Rundturm ausgeführt um aus seinen entsprechend angelegten Schießscharten beide Vorburg-Flügel sichern zu können. Ebene jene Scharten sind gut erhalten und vermachen dem Rondell noch heute ein abweisendes Gepräge.
Die rechte Abbildung zeigt eine Zusammenschau aus Treppengiebel des ruinösen Hauptburg-Palas (rechts), rundem Treppentürmchen der spätgotischen Burgkapelle (links vorne) und dem kraftstrotzenden Bergfried, wie auch alles von dichtem Bewuchs belauert.         


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Von großer Ansehnlichkeit ist die Gesamtschau der Ehrenberg mit der sich abwehrend nach vorne schiebenden Vorburg und dem respekteinflößenden Bergfried dahinter. Wehrmutstropfen bleibt die verwehrte Innenbesichtung der Burg; ja selbst das Umlaufen der Außenmauern ist nur dort möglich, wo die Straße an der Vorburg vorüber läuft (dies allerdings ohne Fußweg!). Dem ungeachtet die Großartigkeit der Neckaransicht.


Quellen
1) die Bauwerke selbst - Stilmerkmale; Stadt, Burg und Landschaft
2) Dr. Emil Lacroix und Dr. Heinrich Niester "Kunstwanderungen in Baden", Chr. Belser Verlag Stuttgart, Ausgabe 1959
3) Wikipedia-Artikel Burg Ehrenberg (Neckar)


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