Schlösser und Burgen in Baden-Württemberg
  Schloss Horneck
 


Schloss Horneck in Gundelsheim, am Neckar zwischen Mosbach und Heilbronn (Landkreis Heilbronn) hinterlässt mit seinen barocken und mittelalterlichen Partien einen sehr ansehlichen Eindruck, erst recht unter Hinzunahme der Ansicht des alten Burgstädtchens.
Auf der Abbildung oben sieht man das eigentliche Schloss als gelb leuchtenden Baukörper mit schlankem Bergfried, lustig umgeben von einer Anzahl Rundtürmchen im Norden der Altstadt, dessen Südspitze vom alten Kirchturm markiert ist. Gleichsam von beiden "Polen" aufgespannt entwickelt sich die kleine Burgstadt, von welcher noch heute zahlreiche historische Gebäude erhalten, die Ansehnlichkeit des Schlosses bestens ergänzend.
Zur Schönheit des Schloss Horneck gesellt sich eine noch größere, durchaus verblüffende Bedeutung: Schloss und Stadt waren nämlich seit 1438 nichts geringeres als der dritte Hauptsitz der mächtigen Deutschordensritter! Neben der berühmten Marienburg (Polen) und Riga (Lettland) fand man hier also einen Hauptstützpunkt der einst so einflussreichen Ritter!
Jene Herrlichkeit jedoch, sie durfte nicht allzu lange währen: 1525 wurde die mittelalterliche Burg durch den seinerzeit allgemeinen Bauernaufstand gründlich ruiniert, worauf der Deutschordensmeister Dietrich von Cleen zunächst nach Heidelberg flüchtete 
 und anschließend seine Residenz nach der Stadt Mergentheim (Tauberfranken, Baden-Württemberg) verlegte, welche ihr gleichfalls sehr ansehnliches Schloss auch bis heute erhalten konnte. Angeführt wurden die Bauernrotten hier übrigens vom Goethe-berühmten Ritter Götz von Berlichingen, dessen Burg Hornberg nur wenige Kilometer flussabwärts steht, der durch das bäuerliche Niederbrennen der Horneck also zugleich einen unliebsamen Nachbarn und Konkurrenten vertreiben konnte.

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Links oben sieht man die zur Altstadt weisende Südseite. In der Grundform beschreibt das Schloss ein unregelmäßiges Siebeneck, dass sich um den ältesten Teil, den Bergfried, legt und dabei zwei kleine Innenhöfe ausbildet.
Noch mit mittelalterlich-rustikalem Aussehen tritt die westliche Giebelseite der Komturei an die Ostseite des Schlosses in die Höhe (Foto rechts). Ein schlanker quadartischer Turm mit leicht auskragender Spitze sorgt für besonderen Reiz. Im Gegensatz zum gelb verputzten Barockschloss sind die mittelalterlichen Anteile sowohl der Komturei als auch der Stadtmauern und der Türme naturbelassen, zeigen also derbe Steinfassaden. Ein sehr lobenswerter Gegensatz also zwischen dem neuzeitlichen Barock und dem mittelalterlichen Erbe.
Auf der Abbildung links unten blickt man durch die Schlossstraße, Hauptader der Altstadt, nach Norden, also in Richtung des von hier nicht sichtbaren Schlosses. Ganz links ein wertvoller Stein-Renaissancebau, das bedeutendste unter den alten Stadthäusern, die gerne auch noch Fachwerk zeigen, der Schlossstraße als gefälligster Altstadtstraße einige Ansehnlichkeit einhauchend.

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Gleichfalls sehenswert ist die lange Nordseite der Horneck, die sich burgartig über dem Taleinschnitt zwischen Stadt und angrenzendem Höhenzug entbreitet. Der schlanke Bergfried reckt sich aus dem Schlosshof weit in die Höhe und gefällt auch durch seine kunstvolle Barockhaube mit Laterne. Nach der Niederbrennung im Bauernkrieg wurde die Burg aufgrund ihrer noch gegebenen hohen Bedeutung schnell wieder aufgebaut. Es entstand ein bedeutender Renaissance-Bau, der an Erkern und Türmchen, wie sie für jene Stilepoche typisch, keineswegs sparte. Umso erstaunlicher, dass sich die Gesamterscheinung ausgerechnet in der Zeit der schönen Künste, als welche sich die Barockzeit gerne verstand, durchaus verschlechterte. Auf die Notwendigkeit der Modernisierung im frühen 18. Jahrhundert reagierte man durch eine gründliche Barockisierung, welche ab 1708 nach den Schlossmauern und -Räumen griff. Die Horneck stand nun nicht mehr in ihrer alten Wichtigkeit, und so nahm sich die Barockisierung bescheiden aus, was weniger für die Innenräume umso mehr aber für die Fassaden galt: die verzierenden Türmchen und Erker verschwanden ohne gleichwertigen Ersatz - ja es kam sogar zu der Kuriosität, dass die nunmehr glatten Fassaden jetzt erst recht ein abgeschlossen-burghaftes, damit unbarockes Wesen erhielten. Fast hätte man auch die letzte bedeutende Zierde des Schlosses, den Bergfried, abgerissen.
Die Fassaden des Schlosses werden nur noch von den großen Barockfenstern gegliedert, die als glückliche Beigabe nach Süden und Westen über Fensterläden verfügen, durch die diagonale Streifung belebend. 

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Um 1250 kam die Burg mit einem Teil des Ortes an den Deutschen Orden, 1294 schließlich folgte auch der Rest der Ortschaft. Die neuen Herren verlegten die Ansiedlung, welche noch näher zum Neckar gelegen, einfach an die Burg! Das Mitte des 14. Jahrhunderts neu entstehende Gundelsheim wurde nun befefestigt und in der Art einer großen Vorburg direkt mit der Burg verbunden, was die Wehrhaftigkeit der nun auch zur Stadt erhobenen Siedlung entsprechend erhöhte. Von den seinerzeit errichteten Stadtmauern hat sich zum Neckar (Westseite der Stadt) noch viel sehenswertes erhalten. Insbesondere in direkter Schlossnähe gefällt eine Anzahl schlanker Rundtürmchen; aber auch die Südwestecke der alten Umwehrung zeigt noch einen Rundturm (Foto links). Das oberste Stockwerk der mit Kegeldächern gedeckten Türme kragt über einen Rundbogenfries aus, wie im übrigen auch die Stadtmauer.
Die schönste Schlossansicht ist die über dem Neckar stehende Westseite (Abbildung rechts). Gelb leuchtet das Barockschloss, akzentuiert vom hohen Bergfried mit verspieltem Dach, umschlossen von innerer und äußerer Burgmauer mit ihren Türmchen.
1238 hörte man, bis heute urkundlich belegt von einem gewissen 
Ludovicus de Horneck und vermutet in diesem Rittergeschlecht die Erbauer der ersten Burg, welche um 1200 in spätromanischer/frühgotischer Zeit entstanden sein mag. Schon wenige Jahrzehnte später, um 1250, jedenfalls überließ der Burgherr, Konrad von Horneck, die Veste dem Deutschen Orden, dabei sogleich mit seinen Söhnen der mächtigen Ritterschaft beitretend, ja und nicht ohne zugleich Komtur der neu geschaffenen Kommende Horneck zu werden. 

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Links blickt man von Norden auf die bereits eingeführte Westseite der Komturei, durch ihre Rustikalität und den schlanken Turm aufmerksam machend.
Die aus nächster Nähe umso monumentalere Westseite des Schlosses erhebt sich auf der Abbildung rechts oben in ihre beträchtliche Höhe, gefaßt von den zwei Wehrmauern, bestückt mit den lustigen Rundtürmchen, welche rechts unten noch genauer widergegeben. Große Widerstandskraft haben die fast "niedlichen" Türme nie versprochen; kaum mehr als 2-3 Verteidiger pro Turm hätten per Armbrust und später Muskete eher "symbolisch" und keineswegs wirkungsvoll nach feisten Angreifern geschossen. Umso schöner anzuschauen sind sie dafür, unsere hübschen Türmchen. Beim Niedergang der Burg im Bauernaufstand, im übrigen, halfen die Stadtbewohner dem Landvolk, was zunächst zu umso schnellerem und gründlicherm Niedergang der Veste, später zu Reparationszahlungen und Frondiensten beim Schloss-Wiederaufbau der schlußendlich siegreichen Ritter führte. 

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Zum Abschluss nochmals die schönste Ansicht des altehrwürdigen Schlosses, die auf den Neckar weisende Westseite. Verbleibt noch, auf die aktuelle Nutzung der Anlage hinzuweisen: die in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen nutzen die Lokalität als Heimatmuseum Siebenbürgen.
1805 verloren die Deutschordensritter auch diese Besitzung durch die allgemeine Säkularisation, in diesem Falle zu Gunsten des württembergischen Königshofes, welcher das Schloss als Kaserne nutzte. 1824 wurde an private Hände weitergereicht, die hier folgende Nutzungen angedeihen ließen: Spital, Sanatorium, Naturheilanstalt und Bierbrauerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der ein Lazarett hierher verfügte, fand man eine Lungenanstalt, bis schließlich 1960 die Siebenbürgen die noch heute gültige Funktion etablierten.


Quellen
1) Besichtigung vor Ort: Schloss und Stadt
2) Wikipedia-Artikel Schloss Horneck
3) Gradmann, Eugen / Christ, Hans / Klaiber, Hans: "Kunstwanderungen in Württemberg und Hohenzollern", Belser Verlag Stuttgart, 1955
            
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